Was ist ein Entwicklungstrauma?
Ein Entwicklungstrauma entsteht nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch anhaltende
Erfahrungen in Kindheit und Jugend – in einer Zeit, in der wir vollständig auf unsere
Bezugspersonen angewiesen sind. Dazu können gehören:
- emotionale Vernachlässigung: Bedürfnisse nach Nähe, Trost oder Aufmerksamkeit blieben
ungesehen
- unberechenbare oder überforderte Bezugspersonen, etwa durch Sucht, psychische Erkrankung
oder ständige Konflikte
- Abwertung, Beschämung, ständige Kritik
- früh Verantwortung tragen zu müssen – für Geschwister oder für die Gefühle der Eltern
- wiederholte Gewalt, Mobbing, Missbrauch
Viele Betroffene sagen: „Eigentlich ist bei mir nichts Schlimmes passiert.“ Oft war es weniger
das, was geschah, als das, was fehlte. Ein Kind kann nicht fliehen – es passt sich an. Diese
Anpassungen begleiten uns bis ins Erwachsenenleben. Der Begriff Bindungstrauma beschreibt
denselben Kern mit Blick auf die frühen Beziehungen.