Im Überlebensmodus
Traumafolgestörungen entstehen, wenn das Nervensystem nach Gewalt, Missbrauch,
Unfällen oder Katastrophen – oder nach anhaltender emotionaler Vernachlässigung – im
Überlebensmodus steckenbleibt. Dann beurteilt das Gehirn auch harmlose gegenwärtige
Situationen auf der Grundlage veralteter Erfahrungen von Gefahr.
Eine der häufigsten Folgen ist Angst: ständige Alarmbereitschaft, Schreckhaftigkeit,
Panik oder Angst, die scheinbar grundlos auftritt. Mehr zu den verschiedenen Formen
der Angst finden Sie unter Angsttherapie.
1
Überlebensstrategien
Überlebensstrategien wie Kampf, Flucht, Erstarren oder übermäßige Anpassung bleiben
nach traumatischen Erfahrungen oft weiter aktiv, auch wenn die ursprüngliche Gefahr
längst vorbei ist. Der Organismus reagiert dann nicht mehr flexibel, sondern verharrt
in einem Zustand innerer Alarmbereitschaft. Der Körper bleibt im Dauerstress.
2
Getriggert
Wir reagieren dann oft nicht auf das, was im Augenblick tatsächlich geschieht,
sondern auf die Spur einer vergangenen Gefahr. Das Nervensystem deutet harmlose
Situationen so, als müsste es sich erneut schützen.
Scheinbar nichtige Anlässe können dadurch massive Emotionen wie Scham, Ohnmacht, Wut
oder Angst auslösen.
3
Abgespaltene Gefühle
Unser Körper zieht sich instinktiv zusammen und isoliert schmerzhafte Emotionen,
damit wir nicht von ihnen überwältigt werden. Diese Schutzbewegung war oft sinnvoll,
kann später aber dazu führen, dass wir uns von unserem Fühlen und von unserem
Körperempfinden abspalten.
Unruhe, Angst, emotionale Taubheit oder Erschöpfung sind die Folgen.
4
Fragmentierte Erinnerung
Traumatische Erfahrungen, die nicht ausreichend verarbeitet und integriert wurden,
bleiben im Gedächtnis oft bruchstückhaft gespeichert. Sie tauchen nicht als
abgeschlossene Vergangenheit auf, sondern drängen sich in Form von Flashbacks,
Alpträumen oder überwältigenden Gefühlen wieder in die Gegenwart.
Bei frühen Belastungen geschieht das oft ohne Bilder: Alte Gefühle von Ohnmacht,
Scham oder Verlassenheit überfluten uns plötzlich, ohne dass wir wissen, woher sie
kommen.
Ein einzelnes Ereignis wie ein Unfall, ein Überfall oder Gewalt hinterlässt Spuren:
Flashbacks, Alpträume, Schreckhaftigkeit, Vermeidung.
Anhaltende Erfahrungen in der Kindheit – oft weniger das, was geschah, als das, was
fehlte – prägen Selbstwert, Beziehungen und das Nervensystem bis heute.